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Ministranten Hl. Dreifaltigkeit Offenburg




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Pilgertour vom 23. - 29. Mai 1999

Eine Woche unterwegs "auf den Spuren des Franziskus"

Am Abend des Pfingstsonntags war es endlich soweit. Nachdem wir am Franziskusaltar unserer Dreifaltigkeitskirche den Reisesegen empfangen hatten, ging es los.

Wir, das sind 16 Jugendliche und junge Erwachsene aus unserer Gemeinde. Wandernd, betend, schweigend wollten wir nach Assisi pilgern, uns dem Leben des hl. Franziskus annähern und darauf achten, wie er das Evangelium gelebt hat. Wer nun glaubt, dass dies eine todernste Angelegenheit war, der täuscht sich. Wir hatten viel Freude miteinander und aneinander und nach anstrengenden Tagesetappen stellte uns die italienische Küche wieder auf die Beine.

unterwegs ...

Aber nun der Reihe nach. Nach der nächtlichen Zugfahrt im überklimatisierten Liegewagen (es wurde wirklich eiskalt) kamen wir am frühen Morgen in Florenz an. Ein herrlicher Tag, der uns einen Vorgeschmack auf das Wetter der ganzen Woche geben sollte. In Florenz war nur ein kurzer Aufenthalt möglich, aber es reichte zu einem kleinen Stadtbummel. Der Dom mit seinem Baptisterium, die Signoria, die Uffizien und der Ponte Vecchio - ein erster Eindruck von Florenz. Bevor es dann weiterging, stärkten wir uns mit einem ersten "original italienischen" Cappuccino in einer Bar.

In einer längeren Busfahrt ging es dann in den Osten der Toskana, zum Ausgangspunkt unserer Tour - nach La Verna. Ein Ort, der mit dem hl. Franziskus und seinem Leben ganz eng verbunden ist. Denn immer wieder wanderte Franziskus von Assisi zum La Verna, um dort in Stille und Abgeschiedenheit beten zu können. Die Strecke vom La Verna nach Assisi war also wirklich ein Weg "auf den Spuren des Franziskus".
Der La Verna-Berg wird von den Franziskanern als "ihr Kalvarienberg" bezeichnet, denn hier empfing Franziskus die Wundmale Jesu. Zeichen dafür, wie sehr er in der Nachfolge des gekreuzigten Herrn stand, wie sehr ihn das Leben Jesu prägte. Diese so entscheidende Ereignis aus dem Leben des Franziskus ist auch auf dem Franziskusaltar in unserer Dreifaltigkeitskirche dargestellt.

Aufstieg zum La Verna

Der Aufstieg zum La Verna gab einen ersten Vorgeschmack auf die weitere Tour. In der täglichen Stigmataprozession um 15.00 Uhr (Karfreitag!) erinnern die Franziskaner an die völlige Hineinnahme ihres Ordensvaters in die Kreuzesnachfolge Christi.

Auch wir stellten uns die Frage: "Wie kann Nachfolge Jesu heute gehen? Was heißt es, sein Kreuz auf sich zu nehmen?"

Nach der Übernachtung im Franziskanerkloster begann der nächste Tag früh mit dem Aufstieg zum nahegelegenen Monte Penna. Dort hielten wir unser Morgengebet, umgeben von der grünen Hügellandschaft der Toskana. Ein Ort, wo Franziskus sicher auch inspiriert wurde, seinen Sonnengesang zu dichten, in dem er die ganze Schöpfung zum Lob Gottes aufruft - ein Gesang, der uns auch durch die Pilgertage begleiten sollte.

Die bevorstehende Tagesetappe hatte es in sich. Zuerst ging es hoch zum "Eremo della Casella", einer Einsiedelei auf 1200 Metern. Von einem Wanderweg konnte man allerdings nicht reden - es ging durch unwegsames Gelände und Gestrüpp und das bei einer ziemlichen Steigung. Die Mittagspause wurde von allen gebraucht, um Kräfte zu sammeln für den letzten Anstieg. Von dort ging es dann abwärts Richtung Fragaiolo, wo wir ziemlich erledigt den Bus bestiegen, der uns bis nach Sansepolcro brachte. In Sansepolcro begrüßte uns der Dompfarrer. Wir waren in einem kleinen, einfachen Haus der Diözese untergebracht. Die Duschen waren heißumkämpft - auch wenn sie nur eiskaltes Wasser hatten. Von Sansepolcro ging es am nächsten Tag weiter mit dem Zug und Bus bis nach Gubbio, einer wunderschönen mittelalterlichen Stadt. Zwei Ereignisse aus dem Leben des Franziskus verbinden sich mit diesem Ort.

auf dem (Pilger) Weg nach Assisi

Zum einen die Begegnung des hl. Franz mit dem Wolf von Gubbio, der die Stadtbevölkerung drangsalierte und den der Heilige dazu bewegte, im Frieden mit den Einwohnern zu leben. Und zum anderen die Bekanntschaft des Franziskus mit der Familie Spadalonga, die ihn nach seiner Bekehrung und seiner Abkehr vom Vater freundlich aufnahm. Dort wo früher das Wohnhaus der Familie war, steht heute die Kirche San Francesco. In Gubbio waren wir im bischöfliches Priesterseminar untergebracht. Gubbio erkundet man am besten, indem man mit der Seilbahn (die einzige Umbriens) - sprich: in offenen Metallkäfigen - auf den Monte Ingino hochfährt, von dort aus den Blick übers Land genießt, um dann im hinabsteigen die Stadt zu erkunden, die am Berg hochgebaut ist.

Eine kleine Episode am Rande, die aber bezeichnend für Italien ist: im Priesterseminar traf ich mit dem Bischof von Gubbio zusammen, Don Pietro. Er freute sich sehr über unsere Gruppe und entschuldigte sich mehrmals dafür, dass er nicht mehr Zeit für uns hatte. Als ich ihm erzählte, dass einer von uns krank ist und Bauchschmerzen hat, war er sehr besorgt und kümmerte sich darum, dass er schnellstens zu einem Tee kam. Nach dem Abschied von Gubbio hieß unser nächstes Tagesziel schon Assisi.

Bis Valfabbrica waren wir nochmals mit dem Bus unterwegs und hatten dann noch elf Kilometer bis Assisi zurückzulegen. Allerdings stand am Beginn wieder ein längerer und harter Aufstieg, der außerdem bei brütender Mittagshitze erfolgte. Aber dann war es bald in Sicht: Assisi. Schon von weitem sahen wir die Burg über der Stadt und natürlich die Basilika San Francesco, wenn auch eingerüstet und von Baukränen umstellt. Die Schäden durch das Erdbeben 1997 sind noch nicht vollständig behoben. Durch die "Porta San Francesco" zogen wir verschwitzt und ziemlich kaputt in die Stadt ein, neugierig von den Touristen beäugt, die auf weit bequemere Art in die Stadt gekommen waren. Mitten in der Stadt hatten wir unser Quartier, das kirchliche Jugendhaus "Casa Papa Giovanni". Ganz in der Nähe der quirligen Piazza Communale gelegen, wo ein buntes Treiben herrschte und wo sich einem die ganze Vielfalt der franziskanischen Ordensleute in ihren Ordenstrachten darbot.

Gruppenfoto in Assisi

Aber nicht nur die Pilger- und Touristenmassen bestimmen das Bild Assisis. Es gibt auch stille Orte, wo gebetet werden kann In der Kirche Santo Stefano oder in San Damiano, jene Kirche, wo Franziskus die Worte hörte: "Bau meine Kirche wieder auf." Am Freitagabend trafen wir uns dort mit der Franziskanerin Sr. Angelika, die uns so eindrucksvoll mit der Gestalt des hl. Franziskus vertraut machte, dass wir ganz von ihrem Vortrag gefesselt waren. So wurde uns der heilige Franziskus auf vielerlei Weise bei unserer Spurensuche vertraut gemacht: durch die wunderschöne Landschaft der Toskana und Umbriens, die er selber durchwanderte und die ihn zum Gotteslob bewegte, im erkunden der Städte und Orte, die er durchzog und die heute noch von ihm erzählen und natürlich durch Menschen, die von seinem Leben angerührt wurden und in seinen Spuren nach dem Evangelium leben wollen. Die Pilgertour hat uns Mut gemacht auf Gottes Spuren in unserem Leben zu achten und uns immer wieder neu vom Evangelium anrühren und herausfordern zu lassen - so wie es der heilige Franziskus tat.

Ralf Dickerhof

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